Das Leben

 

Judith hatte ein ganz normales Leben, liebende Eltern, zwei kleinere Brüder und ein zu Hause in dem sie sich geborgen fühlte, zumindest bis ihr Vater diesen Unfall hatte. Monate lang durfte sie ihn nicht sehen, weil sie noch zu klein war um in die Intensivstation des Krankenhauses hereingelassen zu werden, aber sie sah, dass ihr Mutter sich jedesmal nach diesen Besuchen weiter veränderte. Noch war sie zu jung um zu begreifen woran es lag, aber sie wusste, dass sich nun einiges verändern würde. Sie spürte die Veränderung, dass ihre Mutter oftmals nicht mehr ansprechbar war und sich auch weitweiniger um die Kleinen kümmerte, als es noch vor einigen Monaten der Fall war und als ihr Vater dann auf dem Weg der Besserung war und nach Hause kommen sollte, hatte sie nur noch die Hoffnung, dass sich jetzt endlich wieder alles zum Guten wenden würde und sie endlich wieder ein normales Leben als Familie haben würden. Doch sie sollte sich irren, es wurde nur schlimmer...

 

Ihre Mutter war ganz dem Alkohol verfallen, sie kümmerte sich um nichts mehr und auch ihr Vater war nicht mehr der Selbe. Judith war noch keine zehn Jahre, als er das erste mal des Nachts in ihr Zimmer geschlichen kam. "Mami hat mich gar nicht mehr lieb Judith und weil Mami mich nicht mehr lieb hat, musst du mich jetzt lieb haben. Du bist alt genug um erwachsen zu werden und ich werde dir dabei helfen." Judith wollte das nicht, sie versuchte sich zu wehren, doch es gelang ihr nicht, er war immerhin ihr Vater und wesentlich kräftiger und schwerer als sie, sie wollte schreien, aber er hielt ihr den Mund zu, sodass nur ein leises Schluchzen zu hören war. Nachdem er fertig war zog er seine Sachen wieder an und lies das kleine, weinende Mädchen, dessen Unschuld er nun zerstört hatte, alleine mit ihren Tränen und ihren Gedanken zurück.

 

"Vergiss nicht mein Liebes, ich tu das nur für dich!!! Denk dran, das ist unser kleines Geheimnis..."

 

Judith sagte und tat nichts, sie hätte auch nicht gewusst, was die richtige Antwort gewesen wäre und weinte sich in den Schlaf. Von nun an war nichts von dem kleinen glücklichen Mädchen in ihr übrig geblieben, sie redete mit niemanden mehr, denn ihr Innerestes war bis aufs Mark zerstört. Jede Nacht kam er aufs Neue zu ihr und sie liess es über sich ergehen. Was sollte sie auch machen? Sie war ja nur ein Kind... Eine Woche verging, ein Monat, aber niemand kam um ihr zu helfen. Ihre Mutter noch immer dem Alkohol verfallen, wusste was er mit Judith tat, doch sie half ihr nicht. Niemand half ihr...


Eines Tages zog eine neue Familie in die Wohnung nebenan, die beiden Kinder erinnerten Judith an sich selbst, an das Leben, das sie einst vor langer Zeit mal hatte. Ein Leben in dem sie von ihren Eltern geliebt wurde... Oftmals hatten die beiden versucht sich mit Judith anzufreunden, aber sie konnte niemanden mehr an sich heranlassen, was natürlich auch den neuen Nachbarn auffiehl. Sie bemerkten dass irgendwas mit Judith nicht stimmte, doch woher sollten sie wissen, was wirklich mit ihr los war?! Sie sahen dass Judith´s Mutter der Flasche verfallen war und wanten sich an das Jugendamt, doch auch diese konnten nichts machen, sie schickten lediglich ein mal die Woche eine Familienhilfe vorbei um die häuslichen Zustände für die Kinder zu verbessern.

 

Judith´s Situation hatte sich dadurch aber nicht geändert. Weiterhin schlich ihr Vater jede Nacht in ihr Zimmer. "Ich tue das nur für dich Liebes!!!" Diesen Satz würde sie wohl niemals in ihrem Leben mehr vergessen... Irgendwas jedoch war in dieser Nacht anders, ihr Vater schien abgelenkt und vergass ihr den Mund zuzuhalten. Judith nutzte ihre Chance und fing an zu schreien, er versuchte noch zu reagieren aber es war zu spät. Sekunden später klingellte es an der Tür, die neuen Nachbarn hatten ihren Schrei wahrgenommen und kamen um ihr zu helfen, die Polizei war auch schon informiert. Judith´s Vater öffnete die Tür und bevor er reagieren konnte, rannte die Nachbarsmutter Jasmine schon an ihm vorbei um zu Judith zu gelangen. Er stieß Jasmine beiseite und sie schlug hart mit dem Kopf gegen den Türrahmen, ihr Blut lief warm und dickflüssig am Rahmen herunter und hinterlies eine große Blutlarche neben dem regungslosen liegenden Körper.

 

Judith schrie auf und rannte auf die am Boden liegende Nachbarin zu, wärend ihr Ehemann ebenfalls neben ihr erschien. Judth´s Vater, brach auf der Stelle zusammen und schlug die Hände über den Kopf zusammen, als die Polizeibeamten im Hausflur erschienen und blitzschnell die situation erkannten und ihn verhafteten... Der Krankenwagen fuhr Jasmine und Judith ins Krankenhaus, jedoch konnte nur eine von beiden das Krankenhaus auch wieder lebend verlassen. Judith und ihre beiden kleinen Brüder kamen in eine Pflegefamilie und konnten endlich das Leben führen, dass man sich für ein Kind wünschen würde, Judith würde wahrscheinlich nie über das Erlebte hinwegkommen und ein Leben lang mit der Erinnerung gestraft, aber sie hatte ein Leben. Ganz im Gegensatz zu Jasmin. Judith´s Vater hatte nicht nur ihr Leben sondern auch das einer weiteren Familie zerstört.
Am nächten tag, dann die Schlagzeile:

 

"Terrorvater erschlägt rettenden Engel."

 

Judith wollte dass sie so lautete, wegen Jasmine´s Zivilcourage war Judith ihrem Alptraum entkommen. Sie musste dafür mit ihrem Leben bezahlen, aber sie hatte ein anderes dafür gerettet. "Sie musste sterben, weil sie mir ins Leben helfen wollte!!! Sie wird für immer mein rettender Engel sein."

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    BöserBeru (Montag, 27 August 2012 18:48)

    Erst mal das positive:
    Ich habe nur einen Rechtschreibefehler entdeckt;-)

    Du hast dir ein sehr emotionales und komplexes Thema ausgesucht.
    Das macht es allerdings auch schwer. Täter-Opfer-Beziehungen sind bei weitem nicht so flach wie es dort jetzt dargestellt wurde, das Martyrium von Opfern weit Facettenreicher in ihren Auswirkungen.

    Für mich liest sich das ganze nach einer Nacherzählung, einer Zusammenfassung einer durchaus guten Story. Auch die Wortwahl und Ansätze von Spannungsbögen sind gut.
    Aber ich würde mehr auf die einzelnen Charakter eingehen, mehr auf die Auswirkungen die so etwas hat.

    Ganz lieben Gruß, der gar nicht sooo böse Beru.