Der Engel der Liebe

 

Als ich meine Augen wieder öffnete und den klaren blauen Himmel über meinem Kopf sehen konnte, stellte ich mir sofort die Fragen wo ich war und warum ich nicht in meiner Garderobe aufwachte. Langsam und vorsichtig bewegte ich meinen Kopf. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, aber meine Verwirrung steigerte sich in jeder Sekunde. Der Untergrund auf dem ich lag, gab bei jeder Bewegung nach, ich drehte meine Hand Richtung Boden und fasste zu. Sand rieselte durch meine Finger. Ich sah mich um. Gleich neben mir, vielleicht einen Meter entfernt, wuchsen ein paar Palmen die mir reichlich Schatten spendeten und mich nicht der direkten Sonne aussetzen. Irritiert blinzelte ich. Wie war ich hier her gekommen? Ich versuchte mich zu erinnern, aber das Einzige das mir in den Sinn kam, war mein Mann. Noch vor einigen Stunden war ich auf dem Weg zu meiner eigenen Hochzeit und nun? Um mich herum nur Sand und Palmen.

 

Langsam richtete ich mich auf. Mein Hochzeitskleid hatte ich noch immer am Leib, aber von der ursprünglichen Schönheit war nichts mehr zu sehen. Aus dem schönen Weiß, war eine gelbliche Cremefarbe geworden und hier und da hingen einige Fetzen herunter. Mittlerweile hatte ich mich ganz aufgerichtet und versuchte meine Umgebung zuzuordnen. Ich war noch nie hier gewesen.

 

Zuerst lief ich auf den Strand zu, und lief durch das angenehm kühle Wasser. Dies tat ich eine ganze Weile, bis ich das Gefühl hatte, wieder an der Gleichen Stelle herausgekommen zu sein. „Das gibt’s doch nicht.“, brummte ich vor mich hin. Ich war auf einer einsamen Insel und hatte nicht den geringsten Schimmer, wie ich her gekommen war. Um die gesamte Insel war einzig und allein der weite Ozean zu sehen und kein Boot oder Schiff war in der Nähe. War ich her geschwommen? Das konnte doch nicht sein, immerhin gab es nirgends in der Nähe ein Stück Land, das ich hätte erreichen können. Da stand ich nun. Alleine, ohne etwas zu Essen oder zu Trinken, ohne auch nur die geringste Möglichkeit von dieser verfluchten Insel herunter zu kommen.

 

Niedergeschlagen setze ich mich in den Sand und ließ weiterhin das warme tropische Wasser über meine Füße fließen. Was sollte ich jetzt tun? Ich sah in den Himmel. Lange würde die Sonne nicht mehr zu sehen sein und die Dunkelheit über mich herein brechen. Kurz überlegte ich noch, bis ich mich auftat um trockene Äste zu suchen. Ich legte zwei davon aufeinander, riss einen Fetzen aus meinem Kleid, drehte es um eines der Holzer und zog an beiden Seiten. Kurze Zeit später hatte ich ein kleines Feuerchen entzündet. So würde ich zumindest die Nacht nicht frieren und zumindest nicht im Dunkeln sitzen. Angst musste ich ja nicht haben, denn bei dem wenigen Platz auf der Insel war die Wahrscheinlichkeit doch sehr gering, dass ein Tier mich zerfleischen würde. So saß ich da. Alleine. An meinem kleinen Feuerchen und die Nacht brach über mich herein.

 

Von einem Moment auf den Anderen erlischte die Flamme meines Feuers, der Wind nahm zu und wirbelten meine roten langen Haare quer durch mein Gesicht, sodass ich nichts mehr sehen konnte. Als ich meine Haare wieder geordnet hatte, konnte ich ihn dann sehen. Der Mond stand hell und riesengroß über mir. Etliche Vögel flogen um meinen Kopf in Richtung Vollmond und dieser Mann stand einfach nur da. Mitten im Wasser stand er da und blickte mich düster an. Fast schwebend kam er auf mich zu, als wollte er mich mit seiner düstere Gestallt in sich aufnehmen. Höllische Angst überkam mich und ich versuchte rückwärts von ihm weg zu kriechen. Es passierte nichts.

 

Ganz als würde sich mein Körper mir verweigern, konnte ich mich nicht mehr bewegen. Unaufhörlich näherte er sich mir. Kam näher und näher, bis er schließlich nur noch einen Meter von mir weg zu stehen schien. Fast Panisch versuchte ich mich zu bewegen, vor ihm zu fliehen, aber es gelang mir nicht. Seine finstere Hand reichte er in meine Richtung, zu meinem Gesicht. Ich fing an zu schreien und im selben Moment erstrahlte der Himmel in einem silbernen Licht. Die Dunkelheit um mich herum verschwand. Mir wurde wohlig warm und Liebe umhüllte mich. „Hab keine Angst.“, erklang eine Stimme in meinem Kopf. Ein Mann, Mitte zwanzig erschien vor meinen Augen. „Mein Name ist Azazel und ich bin hier um dich nach Hause zu holen.“ Seine blauen Augen schienen mir so vertraut. Seine schwarzen langen Haare wirbelten durch den noch immer anhaltenden Wind durch sein Gesicht und einzelne kleine Federn flogen durch die Lüfte. „Bist du ein Engel?“, frage ich ihn mit zaghafter Stimme, obwohl die beiden riesigen Flügel, meine Frage schon beantworteten. Ich konnte einfach nicht glauben, was ich da sah. Zaghaft nahm er mich in seine starken Arme. „Ja, ich bin ein Engel und nun bring ich dich nach Hause. Deine Hochzeit wartet auf dich.“ Er lächelte und ich schloss meine Augen.

 

Als ich sie wieder öffnete, saß ich in meinem wunderschönen weißen Hochzeitskleid in meiner Garderobe. Meine böse Stiefschwester stand hinter mir und hielt ein seltsames Pulver in ihren Händen. Die Zeit schien still zu stehen und ich begriff was hier grade passierte. Ich erhob mich von meinem Stuhl, drehte mich herum und pustete so fest ich konnte. Als wäre in dieser Sekunde der Knoten geplatzt, flog das Pulver in ihre Richtung anstatt in meine. Ihr Blick änderte sich von kalt in erschrocken und in der nächsten Sekunde war sie verschwunden… Ich wusste wo sie nun war und dass sie mir niemals wieder schaden konnte und meine Hochzeit war der schönste Tag in meinem Leben.

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Kommentare: 4
  • #1

    Bibihexal (Mittwoch, 03 Oktober 2012 00:13)

    Habe mich beim lesen an das Märchen Aschenputtel erinnert, gerade als ich das Wort Stiefschwester las, nur der Stil deiner Geschichte ist modern.
    Wunderbar kleene, wie ist der nur diese Idee gekommen, schöne Art die Bilder so zu interpretieren !!!Der Moment wo der Engel kam, als du das beschriebst, war spannend und ich war voller Erwartung welche Gestalt es ist, dann war es der Engel Azazel und er brachte sie zurück.
    Schön das es ein solches Ende nimmt und die Stiefschwester verschwindet
    Das kann man auch in das wahre Leben rein interpretiere.

  • #2

    Selina Kröger (Mittwoch, 03 Oktober 2012 12:01)

    Freue mich dass sie dir gefällt Kleene. Ich mag sie auch, auch wenn sie eigentlich nicht das ist was ich normalerweise schreibe.

    Naja was Azazel für ne Gestallt ist wusstest du ja allein durch das Bild schon *lach
    War ja immerhin vorgegeben ;)

  • #3

    Bibihexal (Mittwoch, 03 Oktober 2012 17:49)

    Mal auch toll, das du zeigst die Vielfältigkeit des Schreibens , war angetan von dem neuen.Ja aber sie hätten auch alle verstanden, die die Bilder ned gesehen hätten, habe mich ned richtig ausgedrückt.

  • #4

    Katja (Mittwoch, 26 Juni 2013 17:07)

    Die Geschichte ist wundervoll. Ich liebe Geschichten, in denen Engel vorkommen. Ich konnte mich richtig hineinversetzen!