Die Masken

 

Noch einmal Blickte sich Charlott in ihrer Umgebung um. Sie hatte keine Wahl. Egal wie sehr sie auch versuchte die Wahrheit zu verdrängen, wusste sie doch dass es jetzt nur einen einzigen Weg gab. Sie musste ihre Maske wieder auf setzen und noch ein einziges Mal wieder zu IHR werden. Ob sie nun wollte oder nicht, um wieder nach Hause zu gelangen müsste sie sich verwandeln und ihren eigenen Bruder töten. Einige Minuten stand sie noch regungslos da, bis sie sich endlich überwinden konnte. In ihr tobte ein schrecklicher Kampf zwischen ihrer Vernunft und der Liebe zu ihrem Bruder.

 

Sie beide Charlott und Conner lebten in einer intakten Familie. Ihre Eltern liebten sie beide sehr und auch sonst schienen sie ein ganz normales Leben zu führen. Conner war ein gutes Jahr älter als seine Schwester und auch wenn sie ihm hin und wieder auf die Nerven ging, mochten die Zwei sich doch sehr gern. Immerhin waren sie ja auch Geschwister. Eines Tages fand Conner in einem verlassenen Gebäude zwei Masken und auch wenn er nicht wusste, welche Macht er damit erlangen konnte, hatten sie ihn fasziniert und er nahm sie mit. Noch in derselben Nacht setze Conner seine Maske auf und fand sich in einer anderen Welt wieder.

 

Er glaubte dass dies ein Traum war, doch all zu bald sollte er feststellen, dass es das ganz und gar nicht war. Charlott hingegen war zwar ebenfalls von der noch übrig gebliebenen Maske fasziniert, aber nach dem aufsetzen wurde ihr jedoch schnell klar, dass dies kein Traum oder gar ein Spiel war. Conner veränderte sich zusehends und auch wenn sie es nicht wahr haben wollte, riss er immer mehr die Macht in dieser Welt an sich. Er wurde zum Tyrannen, verbrannte Felder und Täler und verwüstete ganze Städte, wodurch seine Macht noch größer wurde. Die einzige Möglichkeit dieser Welt wieder Frieden zu schenken, war der Weg nach hause. Dafür müssten aber beide Masken zerstört werden. Und der einzige Weg die Masken zu zerstören, war einen der beiden Besitzer zu töten.

 

Charlott hatte also nur eine Möglichkeit wieder zurück zu gehen und die bestand darin jetzt und hier in diese heruntergekommene Ruine zu gehen. Ihren Bruder zu suchen und ihm ihren Dolch so fest wie sie konnte ins Herz zu stoßen. Auch wenn er ihr Bruder war, tötete er unschuldige Wesen und stürze eine ganze Welt ins verderben. Das konnte sie einfach nicht zulassen.

 

Wie in Trance setzte sie die Maske an ihr Gesicht und spürte wie in ihr ein unbändige Macht hochkroch und sie zu verschlingen drohte. Sie hatte nicht viel Zeit. Ohne noch einen weiteren Gedanken zu verschwenden, machte sie sich auf den Weg ihren Bruder zu suchen. Conner saß wie immer auf seinem selbsternannten Thron und kommandierte seine Bediensteten herum.

 

„Wir müssen reden Conner, es ist Ernst.“ Doch er sah sie nicht einmal an. „Conner bitte. Ich will nach Hause und ich will dass du mit mir kommst. Wir werden einen Weg finden. Bitte setzt jetzt deine Maske ab und lass uns gehen. Mum und Dad vermissen uns sicher arg.“ Doch Conner reagierte nicht. Er war diesem Zauber voll und ganz verfallen. Ohne ein weiteres Wort sprintete Charlott auf ihren Bruder zu und verletzte ihn mit ihrem kleinen Dolch schwer. Damit hatte weder er, noch irgendein anderer in diesem Raum gerechnet und bevor auch nur jemand hätte reagieren können, drehte sie Conner auf den Rücken und stieß ihm ihren Dolch ins Herz.

 

In dieser einen kleinen Sekunde schien die Welt stillzustehen. Die Masken zersplitterten und die Welt war von dem bösen Zauber befreit. Im nächsten Moment erwachte Charlott in ihrem Bett. „Gott sei dank, es war doch nur ein Traum.“ Nur um sich zu vergewissern ging sie zum Zimmer ihres Bruders doch die Tür war verschlossen und es reagierte niemand auf ihr klopfen. Ihre Eltern brachen nach einiger Zeit die Tür auf und dort brach Charlott dann zusammen. Ihr geliebter Bruder lag blutverschmiert und mit einem Dolch im Herzen auf seinem Bett. Charlotts Eltern riefen die Polizei, doch es gab keine Spuren die sie hätten sichern könnten. Es war ja niemand im Zimmer gewesen. Es gab keinen Täter, somit musste Conner sich den Dolch selbst ins Herz gerammt haben. Charlott aber wusste es besser…

 

Sie allein hatte ihren Bruder in einer anderen Welt getötet. Doch wer sollte ihr das glauben?

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