Einfach nur wir

 

Immer wieder stellte ich mir dieselbe Frage. Jeden neuen Tag, in jeder freien Minuten. „Liebt sie mich auch so wie ich sie liebe?“ Es ließ mir keine Ruhe. Seit knapp 3 Jahren kannten wir uns jetzt, wir hatten uns angefreundet und mit der Zeit waren wir einander näher wie sonst Irgendwem. Sie war und ist meine beste Freundin. Mein Halt in den schwersten Zeiten meines Lebens und doch weiß sie nicht um meine Gefühle. In manchen Momenten wünschte ich, ich könnte einfach zu ihr gehen und mit ihr reden. Ihr alles sagen. Doch wie sollte ich? Wie könnte ich das zerstören was wir miteinander aufgebaut haben?

 

Manchmal dann, in diesen kleinen winzigen Momenten, schaute sie mich so an, als wenn sie alles wüsste, als wenn es ihr genauso ginge wie mir. Sie vergehen nur leider so schnell, wie sie gekommen waren und in diesen Momenten, da wünschte ich mir, ich könnte mich mit ihren Augen sehen. Ich könnte fühlen was sie fühlt, spüren was sie spürt und wüsste endlich wie es um uns steht.

 

Meine Gedanken ließen mir keine Ruhe, also zog ich mich zurück. Dass wir tatsächlich als WG zusammen gezogen waren, war zwar ein guter Anfang aber weiter brachte mich das eigentlich auch nicht. Sie jeden Tag vor mir zu sehen, wenn sie halb nackt durch die Wohnung tanzte oder grade aus der Dusche kam, machte die Sache nur noch schlimmer. Mit jedem Tag der verging viel es mir nur noch schwerer an mir zu halten. „Ob es ihr damit genauso geht?“ Über diesen Gedanken schlief ich ein.

 

Als ich meine Augen wieder öffnete fühlte ich mich seltsam. Mein Haar wirkte schwerer als sonst und auch mein Körper wirkte irgendwie verändert. Ich öffnete die Augen und stellte fest dass ich gar nicht mehr in meinem Zimmer war. Wo war ich? In ihrem Zimmer. Ich befand mich wirklich in ihrem Zimmer. Aber wo war sie? Mit Schwung sprang ich aus ihrem Bett, zog mir ihren Bademantel an und wollte mich grade auf den Weg in mein Zimmer machen, als ich an ihrem Spiegel vorbei kam. Ein flüchtiger Blick reichte aus um mir den letzten Rest Verstand zu nehmen, den ich in dieser Sekunde vielleicht noch gehabt haben mag.

 

Wie versteinert blieb ich stehen und starrte in den Spiegel. Ich war … nicht mehr Ich. Was auch erklärte warum sich alles anders anfühlte. Ich spürte nichts mehr von meinen üblichen Ängste, nichts was da sonst eine Rolle spielte. Nur eine einzige Sache war geblieben. Das Gefühl zu ihr. Ich überlegte kurz was ich wohl machen sollte und beschloss dann, in mein Zimmer zu gehen. Wenn sie auch in meinem Körper steckte, würden wir vielleicht endlich mal reden. Ich öffnete die Tür und in dieser einen Sekunde wurde mir klar, dass ich gar nicht das Gefühl für sie spürte sondern das Gefühl zu mir. Ich war sie… und ich liebte mich. Es traf mich wie ein Schlag und in der nächsten Sekunde, wachte ich in meinem eigenen Bett auf. Ich wusste nicht, war es Traum oder Realität? War ich sie gewesen und sie ich?

 

So schnell ich konnte sprang ich aus meinem Bett und öffnete meine Zimmertür. In der gleichen Sekunde öffnete sich auch ihre und wir standen beide wie angewurzelt da, bevor wir auf einander zuliefen und uns in die Arme schlossen. Unseren ersten Kuss werde ich nie vergessen, wie wir so dastanden inmitten unseres Flures und die Zeit stillzustehen schien. Es war wie ein Wunder, wir liebten uns schon seit Beginn an, aber keine von uns traute sich ihre Gefühle zu offenbaren. Wir hatten auch nie, weder sie noch ich, jemals Interesse an anderen Frauen gehabt, wie sollten wir es also wissen?

 

Es waren einfach wir, die zueinander gehörten. Einfach nur wir…

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