Funken Wahrheit

 

Steven war keine drei Jahre alt als sich sein ganzes Leben veränderte. Die Zeit die er bisher auf Erden weilte, war er glücklich und lebte zufrieden mit seiner Mama, seiner Halbschwester und seinem Halbruder in einem kleinen Mehrfamilienhaus in ruhiger Lage. Sein Vater hingegen lebte zwar auch dort, war aber die gesamte Woche über unterwegs, weil er immer auswärts arbeitete. Deshalb konnte er immer nur wenig am Familienleben teilnehmen.

 

Die meiste Zeit verbrachte der Kleine mit seiner Halbschwester. Immer wenn sie das Haus verlassen hat, war er an ihrer Seite und sie beschritten so manches Abenteuer. Sie vertrieben Monster, weckten Dornröschen und waren ohne einander nicht komplett.

 

Dann aber veränderte sich etwas und sein Leben wurde schlagartig auf den Kopf gestellt. Seine geliebte Halbschwester, grade mal zehn Jahre, entschloss sich dazu die Familie zu verlassen und bei ihrer Mutter ein neues zu Hause zu finden. Sie ging und ließ Steven alleine in seinem Zuhause einsam zurück.

 

Trotz seines erst jungen Alters von drei Jahren, verstand Steven die Situation und zog seine Konsequenzen. Mit festem Blick sah er seiner Mutter in die Augen und sagte: „Ohne meine Schwester will ich nicht mehr leben!“ Sie war geschockt, dass ein so kleiner Junge überhaupt so etwas sagen konnte, glaubte aber auch nicht an den Ernst der Lage. Bald aber sollte sie eines Besseren belehrt werden.

 

Von diesem Moment an verweigerte der kleine Mann sein Essen. Er weinte fast durchgehend und wurde zunehmend dünner. Seine Mutter machte sich immer größere Sorgen und beschloss irgendwann sogar einen Arzt zu Rate zu ziehen, aber nichts half. Er hatte sich und sein Leben aufgegeben, weil das Wichtigste in seinem Leben nicht mehr da war.

 

Über Monate mussten sie ihn schließlich per Infusion Zwangsernähren, damit er weiterleben konnte. Und er lebte.

 

Noch zur selben Zeit, fing seine Mutter an ihm Lügen über seine Halbschwester zu erzählen. Man könnte jetzt meinen, dass sie ihn hätte schützen wollten, damit Steven nicht mehr so unter seinem Verlust zu leiden hatte, doch sie tat dies nicht aus Schutz, sondern aus Berechnung. Stetig hatte sie gegen ihre Stieftochter gekämpft und um die Aufmerksamkeit ihres doch sehr selten gesehenen Ehemanns gebuhlt, doch egal was sie auch tat, die Liebe zwischen Vater und Tochter war immer größer gewesen. Dafür hasste sie das Kind, das nun auch Schuld daran war, dass ihr eigener Sohn nicht mehr leben wollte. Sie versuchte alles ihn emotional von seiner Halbschwester zu trennen, doch es gelang ihr nur in einem gewissen Masse.

 

Noch heute hat er zwar Probleme mit dem Essen, nimmt nur wenig verschiedene Produkte zu sich, aber er hat ein Leben. Seine Halbschwester hatte er über Jahre hinweg nicht gesehen, aber die Lügen der Mutter, die sie ihm all die Jahre erzählte, nahmen ihm ein wenig den Schmerz und er konnte sich zumindest im Alter von 16 Jahren abkapseln und beginnen ein ganz normales Leben zu führen ohne lästige Altlasten.

 

Seine Halbschwestern hingegen hatte ein weit besseres Leben bei ihrer Mutter, als sie es bei ihrer Stiefmutter je gehabt hatte. Die Narben, die seelischen und die körperlichen, fingen an zu verheilen und sie lernte wieder vertrauen zu schöpfen. Sie liebte und vermisste ihren kleinen Halbbruder in jeder Sekunde und mit jeder Faser ihres Herzens, doch in die Hölle der letzten Jahre würde sie nie wieder zurückkehren. Sie wusste dass für Steven keine Gefahr drohte, immerhin war er der Sohn seiner Mutter, nicht wie sie selbst „die Brut einer anderen Frau“ und deshalb machte sie sich auch keine weiteren Gedanken über das Leben das ihr Stiefbruder eventuell führen müsste. Sie wusste nicht wie sehr er litt, weil sie über sieben Jahre den Kontakt zu jedem Teil dieser Familie vermied.


Sie hatte nun ein eigenes liebevolles zu Hause, dass sie sich immer gewünscht hatte und eigentlich war auch sie immer noch nur ein kleines ängstliches Kind auf der Suche nach sich selbst und Geborgenheit.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Bibihexal (Mittwoch, 26 Juni 2013 23:41)

    ich heule hier gerade mal wieder nimmt mich sehr mit was du geschrieben hast

  • #2

    Selina Kröger (Donnerstag, 27 Juni 2013 12:49)

    Geschichten die das Leben schreibt, sind auch die die am Meisten bewegen... ;)