Turm der Freundschaft

 

Lange Zeit hielt Lara die Baugenehmigung in ihren Händen. Joseph war vor einiger Zeit verstorben. Die Beerdigung hatte noch nicht einmal stattgefunden, als der Postbote ihr den verheißungsvollen Briefumschlag in den Briefkasten geworfen hatte. Sie hatte Joseph gemocht und ihn bei seinem Bauvorhaben unterstützt, aber nichts hatte Georges Verwandten umstimmen können. Jahre musste sie mit ansehen, wie Georges Familie seinem Freund jede Lebensfreude zu nehmen schien und konnte nichts tun um ihm zu helfen. Vor einigen Tagen aber, änderte sich etwas. Sie wusste nicht was, aber Joseph hatte seinen Lebenswillen wiedergefunden. Kurz darauf war er verstorben. „Ob er gewusst hat, dass es zu Ende ging?“ Sie ließ ihre Gedanken schweifen. „Joseph hatte es als seine Lebensaufgabe angesehen, diesen Turm zu bauen. Er hatte es seinem Freund versprochen. Aber er hatte es nicht geschafft.“ Immer noch blickte sie auf den Brief in ihrer Hand. „Ob George ihm verzeihen würde?“ Bei diesem Gedanken ließ sie ihren Tränen freien Lauf. Auch wenn er wesentlich älter gewesen war, wie sie selbst, hatte sie ihn gemocht. Er lebte bei ihr und sie sahen sich jeden Tag. Das schweißte zusammen, auch wenn er eher zurückgezogen in seinem Zimmer lebte und mit den Jahren immer stiller wurde. Er war der Vater den sie nie hatte, der Mensch zu dem sie nach der Trennung ihres Mannes und dem Tot ihrer Tochter, hatte gehen können. Ein Herzensguter Mensch, der sie aufgefangen hatte, als das Schicksal ihr immer wieder Schläge verpasste. „Und nun ist er tot. Liegt begraben unter der Erde und wird nie wieder bei mir sein.“ Als ihre Tränen versiegt waren, stand sie langsam von ihrem Küchentisch auf und setzte sich in Bewegung. Noch ein einziges Mal wollte sie ihm die letzte Ehre erweisen und ging langsam auf ihr Fenster zu. Draußen in etwa 100 Meter Abstand zu ihrem Haus, waren die Bauarbeiten in vollem Gange.

 

„Mummy?“ Lara drehte sich langsam zu ihrer Tochter um. „Ja mein Schatz?“, fragte sie dann. „Ist es nun bald fertig?“ Ihr Blick war ebenfalls auf das Fenster gerichtet. „Ja mein Liebling. Bald ist es fertig. Und dann haben Lena und du endlich euer eigenes kleines Reich, in dem ihr tun und lassen könnt, war ihr möchtet.“

 

Sie blickte wieder aus dem Fenster. Der riesige Holzturm ragte einige Meter über die umliegenden Bäume. So hatte man einen grandiosen Ausblick. Während Joseph immer nur versucht hatte, den Turm einfach nur aufzustellen, hatte Lara sich überlegt, dass man ihn auch nutzen könnte und hat ihn ebenfalls von innen Ausbauen lassen. Nun hatten ihre beiden Mädchen, ein richtigen „Prinzessinnen-Turm“ und sie selbst hatte sich unter dem Dach, ein kleines Büro eingerichtet. Immer wenn sie Joseph oder George gedenken wollte, hatte sie nun einen Ort dafür. „Turm der Freundschaft“ nannte sie ihn und ließ ein Schild mit genau dieser Inschrift anfertigen. Sie wusste dass sie das Richtige getan hatte.

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Kommentare: 3
  • #1

    Bibihexal (Montag, 09 September 2013 17:20)

    ich konnte mich so schwer entscheiden, alle waren gut bei diesem Wettbewerb, was bei dir immer mir gut gefällt, das man sich gut reinversetzen kann selber in dem was du schreibst, da hast du echt eine Gabe und das ist ein Geschenk

  • #2

    Selina Kröger (Montag, 09 September 2013 17:33)

    Danke, danke ;)

    Naja ich fands ehrlich gesagt etwas schade. Ich hatte mich wirklich gefreut auf diesen Wettbewerb, aber ich hatte weder die Zeit noch die Ruhe, eine Geschichte konzentriert zu schreiben...

  • #3

    Bibihexal (Montag, 09 September 2013 18:06)

    das verstehe ich das es ned ging in der Situation kleene so wie du eigenltich gewollt hättest ,ich habe es nicht mal geschafft was zu schreiben, wobei das aber schon was war wo ich mich freute darauf
    finde das einfach großartig was du geschrieben hast !!