Vorgeschichte: Judith Envy

 

 

Die Straßen waren still. Nicht einmal die Vögel gaben noch Laute von sich. Etwas Schreckliches lag in der Luft. Und Pater Luego wusste das. Er hatte versucht die Menschen zu warnen, doch es gab niemanden mehr, der ihm noch zuhörte. Nicht seit damals... Nicht seit der Nacht, in der alles begann. Es war eine Nacht wie diese, als er das erste Mal in ein Gesicht schaute, das ihn verführte. Er sah den Tot in ihren Augen, doch er liebte sie. Nichts von all dem was er sah, konnte ihn davon abhalten sie zu schützen. Zu schützen, vor Mächten die nicht von dieser Welt zu sein schienen...

 

Er hätte wissen müssen, dass er es nicht schaffen kann, denn es lag nicht in seiner Macht das Schicksal ihrer zu ändern. Nicht bei diesen Gegnern, die in Schatten lebten und ihre Kraft aus der Dunkelheit zu ziehen vermochten... In dieser Nacht verlor er seine Liebe und den Glauben daran, dass die Welt aus einem guten Zweck geschaffen wurde.Er machte sich auf seine Geliebte zu rächen. Und auch wenn er nicht wusste wie, wo oder wann, er wusste, dass er seine Chance bekommen würde...

 

In dieser Nacht, die dieser von damals so glich dass wusste er, würde er die Möglichkeit bekommen seine Pläne umzusetzen... Er lief über den Marktplatz um in seine Kirche zurückzukehren. Irgendetwas schien ihn von dort zu rufen. Die Kirchentore öffneten und schlossen sich hinter ihm wieder lautlos, als er eingetreten war. Wie gewohnt ging er auf seinen Altar zu und kniete nieder: „Gott, ich flehe dich an, du hast mir genommen, was mir am Wichtigsten war. 3 Jahre nun ist das her. Bitte hilf mir endlich. Gib mir ein Zeichen, dass es doch noch Gerechtigkeit gibt. Ich...“


„Joel, komm zu mir“, erklang eine Stimme hinter ihm. Er drehte sich schlagartig um und da stand sie:

Judith. Seine Liebste, bei deren tot er dabei war... „Judith?“; stotterte er: „Wie ist das möglich? Ich hab doch gesehen wie...“ „Schsch, ich habe nicht so viel Zeit. Du musst mir jetzt genau zuhören Joel... Es gibt so viele Dinge in eurer Welt, die ihr Menschen nicht so sehen könnt, wie diese wirklich sind... Genauso wie ich, nicht eine von euch bin. Ich wollte das alles nicht! Das musst du mir bitte glauben. Doch mein Kampf ist noch lange nicht vorbei.“ Ihr Blick verschleierte sich... „Dieser Kampf wird niemals vorbei sein... Du hattest damals versucht mich zu retten. Würdest du es wieder tun?“ „Judith, ich würde für mein Leben geben um deines zu retten. Du weißt, wenn ich alles aufgeben müsste, um bei dir zu sein ich würd es tun.“ „Ja das weiß ich, aber du siehst dass ich lebe, so leicht bin ich nicht unter zu kriegen. Doch ich brauche deine Hilfe. Du bist der Einzige zu dem ich noch gehen kann. Der Einzige, der noch auf meiner Seite steht.“ „Was soll ich tun? Du kannst hier bleiben wenn du willst, Nichts wäre mir lieber...“ Er sah jedoch in ihren Augen, dass das nicht das war, was sie wollte.

 

Sie hatte Angst. Sehr große Angst. Und ihm war auch klar wovor. „Das kann ich nicht...“ Traurig blickte sie zu Boden. „Ich liebe dich! Ich werde dich immer lieben und genau aus diesem Grund kann ich nicht bleiben. Ich bringe dich in Gefahr. Und sie auch...“ Judith zeigte auf ein kleines blondes Mädchen, dass noch immer regungslos an der Eingangstür stand. Er versuchte ihr ungefähres Alter zu schätzen, doch es war ihm aus irgendeinem Grund nicht möglich. Irgendwas an ihr fesselte ihn. Er konnte aber nicht sagen woran genau es lag. „Judith Envy bitte komm zu uns...“ Die Kleine gehorchte aufs Wort. Langsam aber mit stetigen Schritten ging die Kleine auf

 

die Beiden zu. „Sie ist quasi mein Kind... Drei Jahre ist sie nun und...“ „Drei Jahre? Willst du sagen sie ist unsere Tochter?“, stammelte er. „Nein Joel. Sie ist meine Tochter. Ich habe sie, kurze Zeit nach dem wir uns das letzte Mal sahen, gefunden. Sie war in einem Tuch eingewickelt und einfach einsam und allein auf der Straße abgelegt worden. Gar nicht weit von hier lag sie, als ich sie fand. Ich war in Lebensgefahr, aber sie auch. Wenn Cyril sie in die Finger bekommen hätte, wäre sie tot gewesen. Sie ist die, für die er mich hält. Irgendwann wird sie eine sehr wichtige Rolle spielen im Kampf gegen Cyril und seine Bande. Du musst sie aufnehmen und trainieren. Sie muss sich verteidigen können, wenn es zu frühzeitigen Auseinandersetzungen kommen sollte. Ihr darf nichts passieren. Würdest du das für mich tun?“ Joel schaute verwirrt auf das kleine Mädchen.

 

Wie konnte jemand so ein hübsches kleines Mädchen töten wollen? „Es ist gefährlich, das weiß ich. Doch sie wird sterben, wenn sie bei mir bleibt. Noch ist er hinter MIR her und ich muss ihn von ihr wegtreiben.“ Draußen wurde es noch dunkler. Das Einzige was in der Kirche noch Licht spendete waren die Kerzen die Passanten für verstorbene angezündet hatten. „Er kommt, nimm sie.“ Brüllte Judith ihn an. „Ich muss los. Er würde euch Beide töten, wenn er euch mit mir sieht.“ „Envy Liebes, bleib bitte bei Pater Luego. Er wird sich um dich kümmern bis ich wiederkomme... Bitte sei lieb und liebe ihn so, wie ich ihn liebe. Er ist ein guter Mensch.“ Sie gab ihr einen letzten Kuss auf die Stirn, ging dann auf Joel zu und flüsterte ihm ins Ohr: „Ich liebe dich! Pass bitte gut auf sie auf“ Sie zog ein kleines Medaillon aus ihrem Gewand „Gib ihr das, an ihrem 18. Geburtstag. Sie wird wissen, was das ist. Ich werde wohl nicht mehr zurückkehren können.“

 

Ein letzes Mal schlossen sich die Beiden in die Arme. Ein letztes Mal küssten sie sich und schon war Judith verschwunden. Er hatte nicht mal gesehen wie sie gegangen war. Sie war lautlos verschwunden, als wäre sie nie da gewesen. Nur das kleine Mädchen war der Beweis dafür, dass er sich das nicht alles nur eingebildet hatte. Er drehte sich zum Altar um und verneigte sich „Danke Gott. Danke dass du mir doch noch die Chance gibst alles richtig zu machen.“ Trotzdem standen ihm Tränen in den Augen. Er wusste zwar nun dass sie am Leben war und wie er ihr helfen konnte, aber er wusste auch dass er sie nicht schützen konnte. Er würde sie wieder und diesmal für Immer verlieren.

 

Judith schloss ihn in die Arme. „Nicht traurig sein. Jetzt bin ich bei dir und du wirst nie mehr alleine sein“ Joel schaute das kleine Mädchen an, das mit ihren großen leuchtend blauen Augen zurückschaute. Er würde sie lieben, wie er seine Liebste auch geliebt hat. Nichts könnte ihr was Böses tun, dafür würde er sorgen. „Komm, ich zeig dir wo du schlafen kannst und morgen werden wir erst einmal in die Stadt gehen und dir ein paar Sachen kaufen. Du sollst es doch gut haben bei mir.“ Dann nahm er sie auf den Arm und ging an seinem Altar vorbei in seine Wohnung, die im oberen Teil der Kirche lag.

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