Nur ein Moment


Sanft blitze die Sonne an diesem Tag in Julians Zimmer und ließen ihn aus seinen Träumen erwachen. Ein neuer Tag, ein neuer Versuch Freunde zu finden und eine neue Gelegenheit, alles zum Besseren zu verändern. Langsam stieg er aus seinem Bett und machte sich schulfertig. Das Frühstück ließ er wie jeden morgen aus und kaufte sich auf dem Weg zur Schule ein Brötchen. So war das immer. Jeden Morgen, seit er auf der neuen Schule war.


Sein Vater hatte einen neuen Job als Lehrer angenommen, weshalb die gesamte Familie in diese neue Stadt gezogen war. Seine Mutter starb schon vor einigen Jahren und so hing alles vom Verdienst seines Vaters ab. Seine Schwester Lena, war grade 15 Jahre geworden, sah aus wie ein leuchtender Engel und hatte es deshalb leicht Anschluss zu finden und sein Bruder Tobias, war grade erst 5 Jahre und ging somit noch auf die Grundschule.


Immer wieder aufs Neue hatte er in den letzten Wochen und Monaten versucht Anschluss zu finden, Freunde oder zumindest jemand der mit ihm redete, doch Kinder konnten grausam sein und so wurde er die meiste Zeit von allen ignoriert. An seinem Platz saß er immer alleine, weil niemand neben ihm sitzen wollte und in den Pausen versuchte er so gut es ging nicht aufzufallen, denn das Ignorieren seiner Klassenkameraden war immer noch besser, als das Schikanieren der größeren Schüler. Nicht mal seine Schwester hatte ihm beim letzten Mal geholfen, als ihr Freund und seine Kumpanen ihn kopfüber in die Toilette tunkten.


Aus Angst sie würden noch Schlimmeres mit ihm anstellen, versuchte er an diesem Tag in ihre Clique aufgenommen zu werden. Als „Einführung“ sollte er noch am selben Tag mit einer selbst gebauten Bombenattrappe ins Einkaufcenter gehen und den Menschen einen riesen Schreck einjagen. Er wollte dies nicht, aber was hatte er für eine Wahl? Außerdem wusste er, dass er nur so endlich seine Ruhe haben könnte. Dies war seine Chance sich zu beweisen und auf diesem Wege das erste Mal in der neuen Umgebung Freunde zu finden. Sie waren angesehen an der Schule, die die für alle Vorbild waren und wie die jeder jüngere Schüler sein wollte. Wäre er erst Mitglied der Clique, würden ihn die Mitschüler respektieren und er hätte das was er wollte. Er ließ sich also drauf ein und die Attrappe noch in der Mittagspause anlegen, um dann die letzten Stunden zu schwänzen und seine Aufgabe zu erfüllen.


Mit schnellen Schritten machte er sich auf den Weg ins Einkaufcenter, den Blick auf den Boden gerichtet um bloß nicht aufzufallen. Er hatte Angst vor den Konsequenzen die auf ihn zukamen, wenn er nun diesen Plan umsetze. Genauso aber schreckten ihn die Konsequenzen würde er es nicht tun. Bisher war er immer der liebe Junge gewesen, hatte sich nie was zu Schulden kommen lassen und sowas war einfach nicht seine Art und doch wollte er diese Eintrittskarte nicht einfach verlieren.

Julian setzte sich an den kleinen Brunnen der sich mitten im Center befand. So hatte er den besten Blick und würde die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Langsam griff er in seine Tasche und nahm den Zünder in seine Hand. Das rote Blinken zog seine gesamte Aufmerksamkeit auf sich, während er traurig den Blick senkte. Ganz in Gedanken bemerkte er kaum, wie sich eine Frau vor ihm aufgebaut hatte und ihn in eben dem Moment, wo er bereit war aufzustehen und zu drücken, ansprach.


„ Hey mein Freund, wir sollten uns unterhalten.“


Ihre Worte klangen liebevoll und vertraut, sodass er ohne zu zögern mit ihr mit ging. Sie setzen sich in ein kleines Café und redeten den ganzen Nachmittag. Was sie aber sagte, war einfach unglaublich. Er erzählte ihr von der Mutprobe und von seinen Mitschülern, davon wie sie ihn immer und immer wieder quälten, doch was sie dann sagte, ließ ihn erschaudern. Sie erzählte von Visionen und dass diese Konstruktion um seinen Bauch eben keine Attrappe war, sondern eine echte Bombe, die verheerenden Schaden angerichtet hätte. Sie hatte ihm das Leben gerettet.


Noch am selben Nachmittag, traf er sich mit seiner Schwester und erzählte ihr alles. Zuerst wollte sie ihm nicht glauben, aber sie fragte ihren Freund dennoch woher er die „Bombenattrappe“ hatte. Sein Vater hatte sie wohl in der Garage offen liegen und er nahm sie einfach mit. Beim Nachfragen wurde dann klar, dass es sich tatsächlich um echten Sprengstoff handelte und keine Attrappe war. Als ihnen ihr Fehler bewusst wurde, war ihnen klar, dass sie beinahe ein Menschenleben auf dem Gewissen hatten. Dies konnten sie so nicht stehen lassen und ihr Umgang mitden jüngeren änderte sich maßgeblich.


Schlussendlich hatte Julian bekommen was er wollte. Er wurde in die Clique aufgenommen, weshalb sein Ansehen in der Schule gestiegen war. Mittlerweile mochten ihn seine Mitschüler sehr und auch eine Sitznachbarin hatte sich nun endlich gefunden. Später wurde sie seine Freundin. Man könnte sagen, dass sich sein Leben an diesem einen einzigen Tag wirklich verändert hatte.


„Manchmal braucht es nur einen Moment um dein ganzes Leben zu verändern…“

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