Nur eine Sekunde

 

Da war es wieder, das Gefühl das etwas passieren würde. Warum konnte ich nicht sagen, auch nicht wie es zustande kam, oder woran es lag dass grade ich diese Gabe besaß und schon in der nächsten Sekunde, lag ich bewusstlos am Boden. Meine Gedanken kreisten, blitzschnell schoßen sie durch meinen Kopf, bis ich meine Augen wieder öffnen konnte. „Es kommt wie es kommen muss“, hat meine Mutter früher immer gesagt und doch war ich schon immer in der Lage es zu ändern und einzugreifen in die Situationen, die ich sehen konnte.

 

Ich öffnete meine Augen und sah in die Runde. Was hatte ich gesehen? Wo musste ich hin? Die Menschen, die ich vor Augen hatte, waren mir nicht bekannt. Keine Freunde, oder Bekannte. Völlig Ahnungslos lief ich weiter die Straße entlang. Es konnte nicht so weit entfernt sein und vor allem würde es nicht mehr lange dauern. Ich konnte mich an splitterndes Glas erinnern, an Schreie und an Feuer und an einen riesigen Brunnen. Ob das das Einkaufcenter war? Meine Erinnerungen sind in den letzten Jahren immer schwächer geworden, teilweise blieben nur noch Bruchstücke in meinen Gedanken, aber bisher konnte ich immer rechtzeitig eingreifen und die Situationen verhindern, die ich gesehen hatte. Diesmal aber war es schwierig, in der näheren Umgebung gab es zwei verschiedene Möglichkeiten, wo das Unglück hätte passieren können, aber ich musste mich entscheiden und lief, so schnell ich konnte in Richtung Center.

 

Die Menschen um mich rum gingen alle ihren Einkäufen nach. Sie lachten und freuten sich ihres Lebens. Ich sah auf die Uhr. Noch eine Minute und ich wusste nicht mal ob ich im richtigen Gebäude war. Ich sah mich um, doch es gab nichts Auffälliges. Bis auf einen verweinten Jugendlichen. Soll es das gewesen sein?

 

Langsam schritt ich auf den Jungen zu und konnte sehen, dass er einen kleinen Zünder in der Hand hielt. Er weinte, doch auch wenn seine Tränen seinen Blick verschleierten, war er bereit den blinkenden kleinen Knopf in seiner Hand zu drücken. Wieder blickte ich auf die Uhr. Nur noch eine Sekunde…

 

„Hey mein Freund.“ Sein Blick entfernte sich vom in seiner Hand pulsierenden Licht und er schaute mir direkt in die Augen. Diese schönen aber so traurigen blauen Augen. So tief und so voller Schmerz. Noch immer weinte er, aber er hatte nicht abgedrückt. „Wir sollten uns unterhalten.“, sagte ich so gefühlvoll es nur ging und er stand auf um mich zu begleiten. Wir gingen Essen und redeten Stunde um Stunde, während alle Menschen um uns herum, glücklich ihrer Wege gingen. Niemand wusste was ich für sie getan hatte. Niemand, außer einem traurigen kleinen Jugendlichen, den ich in meine Obhut nahm und mir, die ich schon auf die nächste Situation wartete um ahnungslosen Menschen, das Leben zu retten.

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