© liegt bei Selina Kröger

und

Kaldin

Leben und Leben lassen

 

Viele Planeten habe ich nun schon besucht und ausgekundschaftet, was ich dabei zu Gesicht bekam war nicht immer schön, aber mein letzter Auftrag hat wirklich alles Vorhergegangene übertroffen. Wenn ich von hier oben auf besagten Planeten herunter sah, hätte ich mir nicht ausmalen können, was dort alles vor sich gegangen ist. Aber ich musste mir ja ein Bild machen und flog somit, nach langem Studieren der dort lebenden Spezies, zur Erde und suchte mir die intelligentesten Wesen heraus um mit ihnen in Kontakt zu treten. Die Ersten drei Kontakte, verliefen ehrlich gesagt nicht  so gut. Meine Erkenntnisse über die Menschen, wie sie sich selbst nannten, ließen mich immer mehr zu dem Entschluss kommen, dass sie nicht nur eine Bedrohung für sich und ihren eigenen Planeten darstellten, sondern auch für alle anderen in unserem Universum. Eine Chance wollte ich ihnen aber noch geben und flog ein letztes Mal zur Erde. Dieses Mal suchte ich mir einen Menschen aus, der von den Menschen selbst als rein und ehrlich beschrieben wurde. Sie sagen: „Kinder und Betrunkene sagen immer die Wahrheit.“ Da es auf meinem Planeten das Wort „Betrunkene“ nicht gibt und  ich daher nicht wusste, was genau das nun ist, habe ich mir ein Kind ausgesucht. Ich flog in einen Teil der Welt, wo alle Menschen sehr krank aussahen und suchte mir das schwächste Mädchen heraus um mit ihr zu sprechen. Ich landete, versteckte mein Raumschiff und machte mich auf den Weg zu der Stelle, wo ich die Kleine zuletzt gesehen hatte…

 

Mädchen: "Wer bist du denn? Du hast aber komische Anziehsachen an!"

 

Alien: "Mein Name ist Lead meine Kleine. Und meine Sachen trage ich, der Bequemlichkeit wegen. In meinem Raumschiff könnte ich mich sonst nicht so frei bewegen, wie ich wollte. Denn weißt du, ich bin nicht von hier. Ich komme von ganz weit her, von da oben. Und das nur um mit dir zu reden."

 

Mädchen: Hm... von Raumschiffen hab ich schon mal gehört. Dann bist du also ein Astronaut."

 

Alien: "Nein meine Kleine. Ich bin kein Mensch. Auch wenn ich vielleicht im Moment so aussehe. Ich komme von einem anderen Planeten. Einem der so weit weg liegt, dass ihr Menschen ihn noch nicht mal entdeckt habt. Ich habe eine lange Reise hinter mir, um nun mit dir über deinen Planeten, der Erde zu reden."

 

Mädchen: "Mit mir? Wie kann ich dir denn helfen? Ich bin doch bloß ein Kind..."

 

Alien: "Eben genau aus diesem Grund habe ich dich ausgesucht. Ich möchte diese Welt mit deinen Augen sehen. Verstehst du das? Es ist sehr wichtig, für dich und auch für diesen Planeten. Denn weißt du, das was die anderen Menschen mir bisher zu Denken gegen haben, lässt darauf schließen, dass ihr eure Welt und alles Leben darin zerstört und das können wir einfach nicht zulassen."

 

Mädchen: "Oh! Hm... Dann werd ich alle Fragen die du an mich hast beantworten.“

 

Alien: "Dann erzähl mir doch mal, hast du ein schönes Leben hier? Bist du glücklich?"

 

Die kleine überlegt kurz ehe sie mir antwortet...

 

Mädchen: "Ob ich glücklich bin willst du wissen? Ich weiß, es sieht nicht danach aus. Meine Familie ist arm, aber wir haben uns und ich liebe meine Familie. Allein dass ich meine Familie habe macht mich glücklich. Auch wenn ich oft Hunger habe und nun diese doofe Lungenentzündung. Aber seit einiger Zeit kommen viele nette Menschen und helfen uns. Sie bringen uns Essen und Trinken, ja sogar Schokolade für uns Kinder. Wir haben ja jetzt sogar eine Schule hier im Dorf, wo eine nette Frau uns Lesen und Schreiben beibringt und sogar Englisch. Die ist voll nett und ich bin glücklich, dass es diese Menschen gibt, die sich für uns aufopfern, damit es uns etwas besser geht. Sogar ein Arzt ist hier her gezogen und behandelt die Kranken. Wenn er nicht gewesen wäre, dann würde ich jetzt wahrscheinlich gar nicht mehr leben, aber seine Medikamente machen mich gesund. Mich macht es glücklich nachts mit Papa vor dem Haus zu liegen und die Sterne zu zählen, denn Rechnen bringt uns die nette Frau auch bei. Oder wenn ich mit meinen Geschwistern wieder verstecken spielen kann, wenn ich bald wieder gesund bin, dass macht mich glücklich. Verstehst du das?"

 

Alien: „Sicher kann ich das verstehen. Jeder ist sich selbst der Nächste. So heißt es doch bei euch oder nicht? Klar kann ich verstehen, dass dir dein Leben wichtig ist, wäre auch komisch wenn nicht. Aber ist dir auch das Leben eines Anderen genauso viel wert? Was würdest du alles tun, um ein anderes, ein besseres Leben zu führen, als das was du jetzt führst? Was ist mit den Kriegen, die wegen Geld und Macht geführt werden? Wie denkst du darüber?“

 

Mädchen: "Was meinst du mit, was ich alles tun würde um ein besseres Leben zu führen? Ich will mich natürlich in der Schule anstrengen, damit ich gut werde und viel Geld für meine Familie verdienen kann und hier im Dorf ist das Leben des einen genauso viel wert wie das andere. Mein Leben ist mir nicht mehr wert, als das meiner Geschwister oder Eltern und ich glaube auch nicht, dass ich mehr wert bin als andere aus meinem Dorf. Ich denke wir wären alle bereit unser Leben für einander zu geben. Und du siehst doch an den Helfern, dass es nicht jedem um Geld und Macht geht. Wir alle können ihnen nichts zurück geben, außer in Lächeln und tiefer Dankbarkeit. Ich glaube die Bescheuerten, die sich im Krieg da gegenüberstehen, die haben einfach nur vergessen wie man richtig lebt. Meiner Meinung nach kann man zum einen über alles reden und zum anderen: Wenn da welche ein Problem mit einander haben, wieso ziehen sie dann andere da mit rein? Und das alles nur für ein bisschen Land, Geld und Macht. Ich finde es sinnlos und das ganze Leid was diese Menschen verursachen, dass macht mich traurig."

 

Das notierte ich mir erst mal. Ich hätte nie gedacht, dass ein so kleines Mädchen so viel Verständnis haben kann. Diese eine Kleine hatte von ihrer Einstellung so viel von unserer Art zu Leben, dass es mich fast umhaute.

 

Alien: „Und was ist mit der Umweltverschmutzung? Ihr zerstört nicht nur euren eigenen Planeten sondern ladet auch euren Müll im Weltall ab und schadet somit auch unserem und anderen Planeten. Was ist mit den Menschen wie ihr, die ihr vor Hunger sterben müsst, weil keiner da ist und sich die anderen nicht drum scheren. Sicherlich euch wollen sie helfen, das sagtest du ja schon, aber ihr seit nicht die Einzigen. Während die einen sich die Mägen vollschlagen, verhungern Kinder vor ihren Augen. Es gibt viel zu wenige Menschen die so denken wie du. Glaubst du wirklich dass diese Menschen ihr Leben verdient haben?

 

Mädchen: "Sowas ähnliches hab ich meinen Papa auch mal gefragt. Ich war sauer, weil ich Kinder sah, in tollen Anziehsachen und die fuhren bei ihren Eltern im Auto. Uns schmissen sie nur ihren Müll vor die Füße. Papa antwortete mir aber, als ich sagte, dass es so gemein ist und die haben die ganzen teuren Sachen nicht verdient, dass ich das gar nicht wissen kann. Vielleicht hat sich die Familie ja sehr dafür angestrengt um dahin zu kommen, wo sie jetzt sind. Und außerdem sagte mein Vater noch: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Das eine kann ohne das Andere nicht sein.
Ich finde das auch nicht richtig, dass viele Leute sich nicht darum scheren, was sie den Tieren antun, wo du ja die Umweltverschmutzung angesprochen hast. Das macht mich traurig, wenn arme Tiere nur zum Spaß getötet werden. Aber auch da sind nicht alle Menschen gleich. Gibt es das bei euch denn gar nicht? Gut und böse mein ich.“

 

Alien: „Nein mein Kind. Bei uns gibt es keine Kriege, keine Umweltverschmutzung und keine Ungerechtigkeit. Wir geben aufeinander acht und helfen anderen wo immer wir können, um ein geregeltes miteinander zu führen. Wir legen keinen Wert darauf uns oder anderen Schaden zuzuführen. Solange wir selbst nicht bedroht werden.“

 

Mädchen: "Na also bist du nicht anders als ich. Gut, du hast vielleicht recht, dass einige Menschen vergessen haben, was das Wichtige im Leben ist, aber willst du wirklich auch die bestrafen, die da nichts für können? Dann wärst du in meinen Augen nicht besser als die Machthaie hier auf Erden. Nur bedenke bei deiner Entscheidung, dass du auch die schönen Dinge zerstören würdest: Angefangen bei den Tieren und Pflanzen die auf unserem Planeten leben bis hin zu den Menschen, die euch nicht unähnlich sind. Es sind ja nicht alle böse...“

 

Alien: „Danke für deine Zeit, meine Kleine. Deine Worte geben mir zu denken, also werde ich mir das Ganze noch mal überlegen.“

 

Das waren meine letzten Worte und ich drehte mich weg, um wieder zu meinem Schiff zu gehen. Dieses eine kleine Mädchen, hatte die richtigen Worte gefunden, um mir zu  beweisen, dass die Menschen noch eine Chance verdient hatten. Sicherlich haben sie ihre Schwächen und ganz sicher nicht grad wenig davon, aber auch wir sind nicht unfehlbar. Würde ich jetzt diesen Planeten zerstören, wäre ich nicht anders und müsste mich mit meinem Raumschiff gleich mit zerstören. Ich erinnere mich nicht, jemals ein Wesen auf meinen vielen Reisen getroffen zu haben, dass so sehr von sich und seiner Art überzeugt war. Keines das so viel Vertrauen in seine eigene Rasse legt, dass es nicht nur sein eigenes Leben dafür geben würde, sondern gleich alles Leben im Universum. Für mich war diese Reise eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens und ich werde die Worte des kleinen Mädchens immer in meinem Herzen tragen. Eines Tages werde ich zurück kehren und schauen, wie sich die Menschen entwickelt haben und ob sie ihre Chancen für ihr weiteres Leben nutzen. Wir werden sehen, ob die Gerechtigkeit und der Überlebenswille stärker sind, als der bloße Drang Leben zu zerstören. Ich hoffe dass es noch mehr Menschen auf der Erde gibt, die für das Leben kämpfen und irgendwann, alle anderen merken dass genau das der richtige Weg für sie und alle anderen Lebewesen im Universum ist.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0