© liegt bei Kevin Natal Jaekel

und Selina Kröger

 

 

Der Mafioso

 

„Toni was hast du wieder gemacht? Warum ist Pedro noch am Leben?“ „Don Carlos er ist uns entwischt. Er hat es wohl gerochen, dass wir kommen um uns von ihm zu entledigen.“ In dem Moment nahm ich die Zigarre aus dem Mund und schnitt etwas Asche mit dem Zigarrenschneider ab. Mein Blick richtete sich dann in Richtung Toni. Er wusste wie ich, dass ich den Zigarrenschneider nun zweckentfremde und ihm mindestens eine Fingerkuppe abnahm. Das Leben als Mafioso in dieser prächtigen Villa ist nicht einfach.

 

Ständig muss man allem hinterher sein. Meine Drogen verkaufen sich momentan irgendwie nicht gut und das habe ich diesem elendiglichen Verbrecher Pedro zu verdanken, der das Zeug nochmal einen Verschnitt verpasst. Was erlaubt der sich eigentlich? Wer ist hier der Mafioso? Er oder ich? Offenbar weiß er, dass ich ihm ans Leder will, wie so manchem anderen, der mich, Don Carlos, hintergeht. Illegale Geschäfte sind mein Ding und bleiben auch mein Ding. Der nette Polizeichef weiß das auch zu schätzen. Seine Rente ist gesichert. Solang er nach meinen Regeln spielt. Meine Regeln sind auch nicht all zu schwer. Don Carlos sagt, was Sache ist. Don Carlos ist der Chef. Verstößt wer gegen die Regeln, dann Gnade ihm Gott.

 

Der einzige der mich zähmen darf ist Angelo. Angelo ist ein örtlicher Pater des Klosters. Er ist mein Bruder. Ihn benötige ich auch immer bei Don Carlos Familie, wenn die Kirche wieder mal meint, sie wolle mir einen Strich durch die Rechnung machen. Hält sich die Kirche zurück, entlohne ich das natürlich mit großzügigen Spenden. Ich bin ja kein Unmensch, sondern nur ein kleiner Mafioso, der auch nur leben will.


Als ich so bei dem Interview einer ansässigen Zeitung über das Leben des Don Carlos sinniere, unterbrach mich meine geliebte Anne. Eine deutsche Frau und sie hatte alles, was ich mir wünschte. Ihre Speisen wahren der Himmel auf Erden, was man an meiner doch rundlichen Form erkannte. Geld spielte auch nur eine nebensächliche Rolle beim Essen. Doch als sie hereinkam war alles anders. Vor dem Journalisten beichtete sie mir, dass sie eine andere Liebschaft hatte. Mit Antonio – den Hausbutler. Ich geriet so in Rage, dass ich Antonio herbestellte, der es auch zugab. Man hintergeht Don Carlos nicht. Antonio ließ ich meinen Handlangern übrig. Sie wussten, was sie mit ihm machen mussten. Der Journalist schrieb alles sorgfältig auf, was ihm vor verlassen der Villa das Leben kosten würde. Don Carlos braucht keine Zeugen.

 

Ich ließ mir meine doppelläufige Schrotflinte bringen. Meine Bodyguards hielten Anne fest. Die silberne Munition die ich dafür aufbewahrte, nahm ich ebenfalls heraus. „Hast du Don Carlos noch was zu beichten, Anne?“ Sie entgegnete nur:“ Das wirst du bereuen Carlos.Du wirst es bereuen. Solange du nichts gutes tust, wirst du Wolf sein.“ Ich ignorierte es;dann drückte ich ab. Zweimal. Es herrschte Ruhe. Dann nahm ich mir den Journalisten vor. Auch ihn erschoss ich mit der selben Flinte. Dann passierte es. Mir wurde komisch und ich schrie vor Schmerzen.

 

Als meine Bodyguards wieder kamen, konnte ich mich nicht mehr Artikulieren – außer mit einem lauten Gebell. Der eine Bodyguard nahm die Schrotflinte und schoss auf mich. Gott sei Dank zerschoss er alles, nur nicht mich. Mein erster Gedanke war nur:“ Ja zerschieß nur alles du Vollidiot. Das wirst du mir büßen.“ Dann floh ich. Nur wohin sollte ich jetzt?

 

 

 


 

 

 

Der Wolf

 

„Als Erstes musste ich wohl mal an diesem Idioten vorbei, der immer noch wie wild auf mich schoss und dann… Ja was und dann? Am Besten wird es wohl sein, wenn ich erstmal untertauche und in den nahegelegenen Wald flüchte, als Wolf bin ich ja schnell genug um die beiden auszutricksen. Als Wolf, verdammte Scheiße warum zum Teufel bin ich ein Wolf? Diese verdammte Hexe, ich wusste ja schon immer dass sie etwas eigenartig ist, aber sowas? Damit kann doch keiner rechnen.“

 

Durch meine regen Gedankengänge, bemerkte ich gar nicht, dass ich schon im Wald angekommen war und sah mich etwas verblüfft um. „Was zum Donnerwetter war hier eigentlich los? Meine Leute schossen auf mich und verjagten mich aus meiner eigenen Villa, meine Anne vögelte mit meinem Buttler und zu allem Überfluss laufe ich auf vier Pfoten anstatt auf zwei Beinen. Ich träume das bestimmt alles nur, in Wirklichkeit liege ich in meinem Bett und schlafe und wenn ich aufwache finde ich mich auch dort wieder.“, das alles dachte ich noch bevor ich in einen tiefen Schlaf fiel, denn dieses ganze Desaster war einfach zu viel für mich und meine so arg strapazierten Nerven.

 

Als ich am nächsten Morgen wach wurde, lag ich jedoch nicht wie angenommen in meinem schönen warmen Bett, ganz im Gegenteil. Ich lag immer noch auf diesem verdreckten Waldboden und welch Überraschung: Ich war auch immer noch ein Wolf. Und so vergingen Wochen, vielleicht auch Monate oder gar Jahre, doch an meiner Situation veränderte sich nichts, das Einzige was mir hin und wieder auffiel, war dass ich wesentlich ruhiger geworden war. Das töten zum Beispiel fiel mir mit der Zeit nicht mehr so leicht, oder besser, es machte mir keinen Spaß mehr und irgendwann kam dann der Tag, an dem ich merkte dass ich nicht mehr alleine sein wollte.

 

So ging es mir bisher noch nie, denn als Mensch war ich froh, wenn ich alleine sein konnte und jetzt suchte ich förmlich nach der Nähe zu anderen Lebewesen, auch wenn dies als Wolf nicht gerade leicht fiel. Eines Nachts hörte ich dann ein Geräusch, das ich nicht zuordnen konnte und kurz danach einen Schrei von einem Menschen, eines Kindes um genau zu sein. Ich legte meinen Kopf schief und versuchte zu hören wo das Geschrei her kam und konnte es tatsächlich aus machen, es kam aus der Richtung wo der Waldboden stark nach unten abfiel und ich rannte los. Tatsächlich hing der kleine Junge an einer sehr dünnen Wurzel, die aus dem abfallenden Boden heraushing, lange würde er sich auch nicht mehr festhalten können, das sah man ihm an.

 

Ich überlegte kurz, kletterte über die Kante hinaus und biss in seine Mütze, die an seiner Jacke befestigt war, um ihn dann wieder nach oben zu ziehen. Er war zwar erschrocken, aber auch froh dass ich ihn gerettet hatte, so nahm er mich in den Arm, drückte mich und rannte dann mit großen Sprüngen davon. Das war das schönste Gefühl, dass ich je empfunden hatte. Ich hatte einem Menschen das Leben gerettet. Kurze Zeit später legte ich mich wieder schlafen und als ich aufwachte und an mir herunter sah, fuhr ich erschrocken hoch. Da waren keine Pfoten mehr, sondern zwei menschliche Beine, zwar waren sie nackt, aber sie waren dennoch da.

 

Ich war endlich wieder ein Mensch und konnte nach Hause. Ich fuhr auf der Stelle herum und lief lange zeit durch den Wald, bis ich an meiner alten Villa angekommen war. Glücklicherweise waren meine Angestellten immer noch da auch wenn man mich schon vor langer Zeit für tot erklärt hatte. Was auch besser war, so hatte ich zumindest die Möglichkeit mein Leben zu ändern und musste nicht mehr aus der Szene verschwinden. Das wäre sicherlich nicht so einfach gewesen, denn meine Feinde würden sicherlich nicht einfach Ruhe geben und mich in Frieden lassen. Meine Angestellten blickten auch sehr verwundert drein, als sie mich nackt auf sich zugelaufen kommen sahen. Immerhin dachten sie ich würde nicht mehr Leben und ich tat mein Bestes ihnen begreiflich zu machen dass dies auch so bleiben sollte, nachdem ich mir etwas an gezogen hatte.

 

Danach begann ich mein Leben komplett zu ändern. Ich spendete viel Geld für wohltätige Zwecke, rettete ein Kinderheim vor der Schließung und man wird es nicht glauben, aber der kleine Junge dessen Leben ich gerettet hatte lebte dort und ich habe ihn adoptiert. Mein Leben war nun ein völlig anderes und ich war auch jemand anderes, was meine Papiere bewiesen…

 

 

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Bibihexal (Mittwoch, 03 Oktober 2012 21:47)

    Eine , sehr gelungene Teamgeschichte von euch beiden,kann überhaupt nichts aussetzen, dem 2 Schreiber ist es so prima gelungen, sich dem Stil des ersten anzupassen, das ist nicht einfach. Schönes Ende. Mein Daumen geht nach oben!!!

  • #2

    Selina Kröger (Donnerstag, 04 Oktober 2012 10:50)

    Das hast du nett gesagt Kleene, ich fand auch das Kevin und ich gut zusammen gearbeitet haben und dass sich die Teamarbeit gelohnt hat. Danke noch mal Kevin ;)

  • #3

    Bibihexal (Donnerstag, 04 Oktober 2012 23:00)

    Mit Kevin hoffe ich ja auch mal zu schreiben