© liegt bei A.M. Lötscher 

und Selina Kröger

 

 

Die Vergangenheit der Zukunft

 

Sinnend stand er unter dem Türrahmen, und sah hinaus in die üppig blühende Natur. Heute Morgen aber nahm er davon nichts wahr. Ein Traum hatte ihn aufgewühlt. Er hatte schon mehrere solcher Träume gehabt, und immer verwirrten sie ihn aufs Neue. Seltsame Dinge sah er vor sich, manchmal fragte er sich, ob er langsam verrückt wurde. Das schlimmste war jedoch, dass er mit niemandem darüber sprechen konnte. Einmal hatte er es versucht, aber gleich gemerkt, dass ihn niemand verstand, da hatte er dies unterlassen. Es war ihm nur aufgefallen, dass einige ihn seither etwas merkwürdig anschauten. Diese Träume, er seufzte.

 

Letzte Nacht hatte er wieder von dieser Frau geträumt, sie saß vor einem merkwürdigen Ding, und ihre Finger führten sonderbare Bewegungen aus. Aber sie bemerkte ihn, und fragte wer er sei, das fragte sie immer. Er nannte ihr seinen Namen, und darauf fragte sie bei jedem seiner Besuche, was er ihr zu sagen hätte. Er wollte ihr erzählen aus seinem Leben, er gab ihr eine Liste mit Blumen, welche in seiner Heimat wuchsen und blühten. Sie schien es zu verstehen. Aber irgendeine Macht zog ihn immer bald wieder weg, und er erwachte in seiner Hütte auf seinem Laubsack.

 

Diese Frau war auch seltsam gekleidet, solche Kleider hatte er noch nirgendwo erblickt. Sie musste aus einer andern Welt stammen eine Welt die ihn beängstigte, die er nicht verstand. Ihre Haare hatten die Farbe von rotem Gemüse, die Frauen in seinem Volk waren entweder dunkelhaarig oder weiß.Am Handgelenk trug sie etwas rundes, einem Armreif ähnlich. Ob sie dadurch wohl einem Stamm zugeordnet wurde? Am meisten irritierte ihn ihr Gesicht, auf ihrer Nase trug sie etwas blitzendes, es sah aus wie Goldschmuck, und ihre Augen waren verdeckt hinter einem Guckloch. In seinem Volk trugen nur vornehme Frauen goldenen Schmuck, also musste sie sehr wohlhabend sein. Einmal als er sie im Traum besuchte, stand sie in einem Raum, der hell und freundlich aussah, aber auch hier befanden sich merkwürdige Dinge, er sah kleine Lichtpunkte, die kamen und gingen, und kamen und gingen. In der Wand hatte es Öffnungen, die mit einem seltsamen Material zugemacht waren, so war es hell, und doch hielt es Regen und Schnee ab. Er erzählte er ihr vom Lunenturm, aber sie schien damit nicht viel anfangen zu können.

 

Das nächste Mal bat sie ihn um eine Erklärung, er versuchte es so gut er konnte. Er sagte ihr, dass es ihm wichtig ist das alte Wissen seines Volkes, weiterzugeben. Sie hörte ihm zu, in der Hand hielt sie etwas längliches, und machte damit seltsame Bewegungen, und aus dem Ding schienen Zeichen zu fließen. Diese Träume waren sehr unregelmäßig, manchmal fragte er sich schon, ob sie wohl nun definitiv vorbei wären, aber immer wieder wurde in diese rätselhafte Welt geführt. In einem seiner weiteren Träume erklärte er ihr, was es mit dem Lunenturm auf sich hatte. Der Turm wurde benutzt, um trunksüchtige Männer einzusperren, auf unbestimmte Zeit. Die einzige Möglichkeit freizukommen war an einem Vollmondabend, aber diese Entscheidung lag in der Hand des Dorfältesten. Sein Onkel sass seit langer Zeit dort, und die Familie musste ihn mit Essen versorgen.

 

Sie fing an ihm Fragen zu stellen, und es freute ihn, dass sie sich für sein Volk interessierte. Mit dem Begriff „Heidentuch“ schien sie etwas Mühe zu haben. Dabei handelte es sich um ein Tuch, welches gewisse Familien tragen mussten, damit man sie daran erkennen konnte. Es waren Ausgegrenzte, meist hatten sich die Männer etwas zuschulden kommen lassen. Die Frauen solcher Familien waren Freiwild. Diese Ungerechtigkeiten fand er Himmelschreiend. Aber, ihm entfuhr ein tiefer Seufzer, er konnte nichts dagegen tun.


Je öfter er sie in seinen Träumen besuchte, ums so enger wurde ihre Verbundenheit. Bei seinem letzten Besuch, saß sie in einem Verschlag, der sich irgendwie bewegte, und sie schien keine Zeit für ihn zu haben. Es war nicht einfach für ihn, all diese Dinge mit niemandem teilen zu können. Diese Welt die er da sah beängstigte ihn. Der letzte Besuch lag nun schon eine Weile zurück, und er wusste nicht, ob und wann das nächste Mal einer stattfinden würde. Er wusste nur, dass er sie vermissen würde. Ob sie wohl ähnlich fühlte?

 

 

 


 

 

 

Der Besucher

 

Eigentlich führte Mara ein ganz normales Leben, wären da nicht immer wieder diese seltsamen Besucher. Irgendwann schon im Kindesalter stellte sie fest dass sie Dinge sehen und hören konnte, die andere Kinder nicht wahrnehmen und beschloss nicht mehr mit anderen Menschen drüber zu reden, weil sie niemand verstehen konnte. Es war nicht einfach für sie, den Besuchern gerecht zu werden und gleichzeitig ein ganz normales Leben zu führen, doch irgendwie schaffte sie es immer wieder beides unter einen Hut zu bringen. Neuerdings besuchte sie immer wieder ein Mann namens Calum um ihr aus seiner Zeit zu berichten. Oftmals wusste sie nicht wie sie mit den Menschen umgehen musste, die zu ihr kamen, denn jedesmal kamen sie aus verschiedenen Zeiten. Nur anhand der Erzählungen konnte Mara einschätzen aus welcher Zeit sie stammten und was sie von ihr wollten. Bei Calum war es einfach, er war ein stattlicher Mann aus einem Volk dass in ihrer Zeit kaum noch bestand hatte. Aus diesem Grund, so dachte sie sich, würde er zu ihr kommen. Um zu berichten aus seiner Zeit und seinem Leben.

 

Bei seinem ersten Besuch saß Mara an ihrem Pc, natürlich war ihr klar dass die gesamte Technik in ihrem Umfeld für ihn neu und erschreckend war, deshalb drehte sie sich von ihrem Pc weg und hörte ihm gespannt zu. „Wer bist du und was möchtest du mir sagen?“, waren immer ihre ersten Worte. „Calum“, antwortete er ihr und gab ihr eine Liste mit Blumen die in seiner Heimat wuchsen und blühten. Direkt danach war er verschwunden. Wohin? Oder warum? Das vermochte Mara noch nicht zu sagen. Wie jedesmal nach einem dieser Besuche, ging sie in die Küche und machte sich einen ihrer Lieblingstees. Ungefähr eine Stunde saß sie dann in der Küche, nippte an ihrem Tee und dachte über den Menschen nach, den sie grade kennengelernt hatte. Während er kommen und gehen konnte wie er wollte, war sie in ihrer Zeit gefangen. Man berichtete ihr immer wieder von fremden, vergangenen Welten und Zeiten und zu gern hätte sie all diese besucht und erforscht, doch lag es nur in ihrer Macht alle gegebenen Informationen für die Nachwelt zu sammeln und nicht Teil dieser Zeiten zu sein.

 

Bei Calums zweitem Besuch, saß Mara grade in ihrer Küche. Das Licht schien hell durch das verschlossene Fenster auf ihre rotgefärbten Haare und die Kaffeemaschine blinkte wild, als Calum ihr erschien. Mara rückte ihre Brille zurecht und hörte gespannt zu was Calum zu berichten hatte.

 

Irgendwann in einem der bis dato zahlreich geführten Gespräche erzählte er ihr von den Riten um dem „Lunenturm“. Doch bevor er dazu kam ihr alles zu erklären war er auch schon wieder verschwunden und ließ sie mit ihren offenen Fragen zurück.

 

Wieder vergingen Tage bis er das Nächste mal wieder auftauchte. Und noch bevor er irgendetwas anderes erzählen konnte fragte Mara nach dem „Lunenturm“. Denn auch irgendeinem Grund ließ ihr dieses Wort keine Ruhe. Diesmal schrieb sie alles Wichtige mit, denn so hatte sie immer die Möglichkeit im Nachhinein noch mal alles zu lesen und zu verstehen. Der Turm war nach seinen Erklärungen zu folge so etwas wie unsere neumodische Ausnüchterungszelle. So hatte sie es verstanden. Immer gespannter lauschte sie seinen Erzählungen denn auch zum Thema „Heidentuch“ konnte er eine Menge berichten. Er war ein wirklich interessanter Mann mit einem bewegten Leben und die Verbindung zueinander wurde mit der Zeit immer stärker, so hatte Mara es zumindest empfunden.

 

Bei seinem letzten Besuch allerdings war sie doch etwas abgelenkt, denn zu ihrem Unmut erschien er plötzlich neben ihr im Auto, als sie auf dem Weg zum einkaufen war. Verständlicherweise konnte sie sich dadurch nicht so wirklich mit ihm beschäftigen. Sie hoffte inständig dass sie dadurch nicht seine Gefühle verletzt hatte, denn trotz dass sie sehnsüchtig auf ihn wartete, war er ihr seither nicht mehr erschienen.

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Selina Kröger (Donnerstag, 09 August 2012 13:45)

    Ich wollt mich an dieser Stelle mal bei dir bedanken Amaria. Die Zusammenarbeit mit dir hat mir wirklich Spaß gemacht und alles ging irgendwie so einfach von der Hand. Wenn ich bedenke was die Anderen alle für Probleme hatten *kopfschüttel*, bin ich echt ganz arg froh so nen tollen Partner wie dich gehabt zu haben... Danke dir *winx*

  • #2

    Bibihexal (Mittwoch, 03 Oktober 2012 21:59)

    Mal nichts sage, zu den Problemen, das kann einfach mal passieren , das was ned klappt, aber man dann dennoch, dann noch gut umsetzt, es tut mir nur Leid, das wir dich so sehr strapaziert haben, zu eurer Teamgeschichte möchte ich euch beiden gratulieren, es ist alles sehr flüssig geschrieben und ihr habt es verdient, dass ihr
    so gut abgeschnitten habt, mir hat sie gefallen!!!

  • #3

    Selina Kröger (Donnerstag, 04 Oktober 2012 10:57)

    Sicher kann sowas passieren, aber mir grauts ja schon vor den neuen Teamwettbewerben... Naja hat ja noch was Zeit. :)