© liegt bei Selina Kröger

und

Katharina Hauser

Maria und Josef

 

Es war noch dunkel  als Maria aus ihrem Schlaf erwachte und sich panisch umsah. Sie hatte das Gefühl, das irgendetwas anders war als sonst, irgendetwas dass sie nicht zuordnen konnte und blickte sich deshalb langsam in ihrer kleinen Lehmhütte um. Die zwei kleinen Fenster hielten zwar die Wärme der Nacht draußen, jedoch spendeten sie auch nur wenig Licht und die Öllampe die sie abends immer in die kleine Nische in der Wand stellte, war schon vor Stunden erloschen, deshalb konnte sie nur wenig erkennen. Alles schien wie immer, keine erkennbaren Schatten oder Bewegungen die sie in der Dunkelheit erkennen konnte, also horchte sie in die Nacht. Die Kinder schliefen ruhig und auch Josefs leises Atmen war in der Dunkelheit klar zu erkennen, aber keinerlei Geräusche die sie nicht zuordnen konnte. „ Ich habe bestimmt wieder nur komisch geträumt“, dachte sie noch und kicherte leise. „Ich benehme mich ja schlimmer wie die Kleinen.“  Sie drehte sich auf ihrer kleinen Decke herum und schlief weiter, doch das seltsame Gefühl blieb, irgendetwas war anders als sonst, sie wusste nur nicht was.

 

In den kommenden Nächten wachte sie immer wieder aus ihrem Schlaf auf und das klemmende Gefühl wurde mit jedem Mal schlimmer, tagsüber hingegen veränderte sich nichts. Jeden Morgen ging ihr Verlobter Josef seinem Geschäft nach, er war Zimmermann und deshalb den ganzen Tag unterwegs. Maria dagegen blieb zu Hause und kümmerte sich um den Haushalt und seine vier Kinder Jakob, Josef, Judas und Simon, die er aus erster Ehe mitgebracht hatte. Seine erste Frau verstarb vor einigen Jahren und auch wenn er sie lange Zeit noch liebte, verliebte er sich in Maria und war bereit noch ein zweites Mal eine Ehe einzugehen. Während Josef von Morgens bis zum späten Nachmittag seiner Arbeit nachging, kümmerte sich Maria um alle Dinge die im Haus so anfielen:  Kochen, Wäsche waschen, weben, nähen, Wasser holen, das Haus sauber halten und die Kinder hüten. Ihre schwerste Arbeit jedoch, war das mahlen des Getreides, damit die Familie gute und abwechslungsreiche Nahrung bekam. Wenn sie mit ihrer Arbeit durch war, kam Josef meistens auch schon nach Hause, sie speisten noch zusammen und gingen danach wieder schlafen um am nächsten Morgen wieder ausgeruht ihren Aufgaben nachzugehen…

 

Die Kinder schliefen nebeneinander auf ihren Decken im höher gebauten Teil der kleinen Hütte während  Maria links und Josef rechts im unteren Teil schliefen. Sie waren sich noch nicht näher gekommen und hatten auch nicht vor das in baldiger Zukunft zu ändern. Die Nacht brach herein und Maria fiel wieder in einen unruhigen aber ausgeruhten Schlaf, bis sie in der Dunkelheit der Nacht ein unbekanntes Geräusch vernahm, wieder wachte sie panisch auf und sah sich um, nichts zu sehen. Als sie sich jedoch wieder herum drehen wollte um weiter zu schlafen vernahm sie eine verführerische Stimme. „ Sei gegrüßt Begnadete.“  Maria erschrak und wollte grad nach Josef rufen als die Stimme auch schon weiter sprach. „ Hab keine Angst, ich bin ein Engel und wurde von Gott geschickt um dir etwas zu verkünden. Dein Sohn wird der erwartete Messias Israels sein… Du wirst Gottes Sohn zur Welt bringen…“ Maria schluckte. „Aber was für einen Sohn, Josef und ich wir haben nie…“ Der Engel unterbrach sie. „Nein Begnadete,  es ist nicht euer Sohn. Du hast ihn von Gott empfangen und sein Name soll Jesus sein…“ Die Worte hallten noch in ihren Ohren, doch der Engel war verschwunden.

 

War alles doch nur ein Traum gewesen? Dachte Maria noch am nächten Morgen. Noch hatte sie mit Josef nicht gesprochen und sie war sich auch nicht sicher was sie ihm hätte sagen sollen. Den ganzen Tag kreisten ihre Gedanken um den Engel und was er ihr verkündetet, bis sie sich am Abend dazu entschloss doch mit Josef über die Begegnung zu sprechen. Sie erklärte ihm alles in jeder Einzelheit, doch Josef hielt dies nur für eine Ausrede, weil sie von einem anderen schwanger zu sein schien. Er wollte sich über Nacht seine Gedanken machen, ob er sie nun verlassen sollte oder nicht, aber in dieser Nacht besuchte der Engel ihn. „Sei gegrüßt Josef.“  Drang eine Stimme an sein Ohr, Josef schlug die Augen auf und sah in das Gesicht des Engels. „Ich bin ein Engel, gesandt von Gott um zu verkünden, dein Weib ist schwanger. Sie trägt das Kind Gottes unter ihrem Herzen und du, mein lieber Josef wirst Jesus Ziehvater sein. Du wirst Maria zur Frau nehmen, so will es der Herr, dein Gott“ Josef war sprachlos und der Engel verschwand vor seinen Augen. Der letzten Satz bevor er wieder einschlief war: „So soll es sein.“  Und so war es auch. Wenige Tage später nahm Josef Maria zur Frau und die Beiden bekamen neun Monate später einen gesunden kleinen Jungen. Er war die ersehnte Rettung, der Messias Israels…


Modern Mary (Wisschenschaft)

 

Also fest steht, ohne männliches Sperma, normal keine Befruchtung, keine Schwangerschaft, also auch kein Baby. Aber die katholische Kirche lehrt uns, dass es eine Jungfrauengeburt, also eine Schwangerschaft ohne Geschlechtsverkehr, Sperma des Mannes gegeben hat. Wie es auch in andren Religionen oftmals noch erwähnt wird. Lange Zeit fragte ich mich, kann es wirklich möglich sein? Also man denke jetzt mal Gott und die Engelserscheinung weg. Kann es so was geben? Hört euch diese Geschichte an...

 

Mary kam aus Spanien, ihr Freund Giuseppe ebenfalls. Seit 2 Jahren waren sie ein Paar und glücklich. Sie lebten in einem Dorf etwas außerhalb der blühenden Städte. Die Beiden liebten die Ruhe und Natur. Mary war gerade 20 geworden, Giuseppe war 2 Jahre älter als sie. Seit einigen Wochen fühlte sich Mary nicht gut, sie klagte über Unterleibsschmerzen, leichte Übelkeit und Schwindel. Sie konnte sich nicht erklären woher diese eigenartigen Gefühle kamen, also entschied sie sich, nachdem die Beschwerden nicht abgeklungen waren, zu ihrem Gynäkologen zu gehen, weil außerdem die Periode nicht gekommen war.


Nach der Untersuchung stand fest, dass Mary schwanger war. Das kleine Leben war eindeutig auf dem Bildschirm, neben ihr, zu erkennen, sogar das kleine Herzchen hatte schon angefangen zu schlagen. Mary war außer sich...sie verstand die Welt nicht mehr, als sie auf den Bildschirm starrte....


Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, es war UNMÖGLICH, dass sie schwanger war. Es entwich ihr die Geschichtsfarbe und sie zitterte am ganzen Leib. Schon bei der Untersuchung hatte sie gezittert, aber nun schlotterte sie nur noch. Der Arzt half ihr vom Behandlungsstuhl herab. Schnell zog sich Mary wieder ihre Kleidung an und mit zittrigen Knien, stolperte sie in Richtung Stuhl, der sich vor dem Schreibtisch von Dr. Martin Milano befand. Der schon etwas ergraute Arzt, er war etwa Mitte 40, sah sie mit großen erstaunten Augen, runzelte die Stirn, sodass sich tiefe Falten bildeten.


„Miss Sanchez“, begann er, „sie sehen nicht gerade sehr erfreut aus? Sie sehen eher geschockt aus, wenn ich das mal so sagen darf? Ehrlich gesagt bin ich es auch, wenn sie mich fragen.“, fügte er hinzu, während er die Daten in den Pc tippte.
Mary hämmerte mit ihren Fingern, unkoordiniert auf die seitlichen Lehnen des Stuhls, sodass es hin und wieder etwas klirrte, als sie mit den Fingernägeln auf das Eisen traf. Sie rutschte ständig hin und her. Ihre Gesichtsfarbe war inzwischen wieder gekommen, aber nun war sie rot im Gesicht, weil sie so verstört und aufgeregt war.


„Wieso...sind SIE.... da geschockt?“, stotterte sie und klopfte noch energischer mit den Fingern. „Also, wie ich sehen kann, konnte, sind sie eindeutig noch Jungfrau. Hatten sie in den letzten Zeit jegliche sexuellen Aktivitäten? Oder Petting? Wissen sie eine Situation, wo Sperma in der Nähe ihrer Vagina war? Sie wissen was ich meine, da müssen wir nicht näher darauf eingehen.“


„Äh...nein...,nicht das ich wüsste..“, murmelte sie ängstlich. „Jedenfalls nicht in den letzten Wochen...also ich meine Petting und so. Sex? Nein, ich hatte keinen...deshalb bin ich ja so entsetzt....Ich möchte noch keinen Sex, fühle mich noch nicht bereit dafür, und will noch warten...“


Dr. Milano tippte weiter energisch auf seiner Tastatur herum, nickte nur schnell, nachdem Mary ihren Satz vollendet hatte.
Einige Zeit war Stille, dann holte der Arzt einen Mutterpass aus der Schublade und trug die Daten ein. Das Foto legte er behutsam in den Umschlag des Heftes.


Neugierig schaute sie ihm zu. Mittlerweile biss sie sich immer wieder total angespannt auf die Lippen, sie wusste nicht, was sie sonst noch sagen sollte, bis der Arzt das Schweigen brach.
„Ihnen ist schon bewusst, dass das ziemlich unlogisch klingt, Miss?“ Sein Gesicht sah sehr ernst aus.


„...Natürlich!“, gab sie zurück. „Aber wenn ich sage es war so, dann war es so! Ich hatte keinen Geschlechtsverkehr jeglicher Art und ich bin mir auch zu 99 Prozent sicher, dass kein männliches Sperma „da unten“ war. Nicht auf meiner Unterwäsche, nicht auf meinen Händen, und wenn, hätte ich sie sofort gewaschen....Ich bin doch nicht blöd...ich weiß doch was ich mache? Und sogar wenn wir „Petting“ machten, sogar da hat er ein Kondom benutzt!“


Mary wurde noch zittriger, weil sie sich in dem Moment so aufregte. Sie hasste es wenn man sie für dumm verkaufen wollte oder ihr nicht glaubte. Aber wahrscheinlich hätte sie sich selber nicht glauben können, wenn sie an Dr. Milano´s Stelle gewesen wäre. Sie fing bitterlich an zu weinen und schlug sich die Hände vor das Gesicht. „Ich hatte mit keinem Mann Sex? Wie soll ich das nur meinen Freund erklären...“, wimmerte sie.


„Beruhigen Sie sich erst mal“, sagte er und holte ein altes Buch aus seinem Schrank hervor. „Ich möchte Ihnen etwas erklären. Es ist mir zwar noch niemals untergekommen, aber irgendwie glaube ich Ihnen, Miss Sanchez.“ „Ehrlich?“ Sie wischte sich die Tränen ab und wartete gespannt darauf, was er nun als nächstes zu sagen hatte. Er blätterte und blätterte, bis er den geeigneten Abschnitt gefunden hatte. „Hören sie mir bitte genau zu und lassen sie mich auch ausreden, ja?“. Er sah sie streng an. „Ja, ok.“ „Also“, begann er, „Sie kennen sicherlich die Geschichte von der Jungfrau Maria und die unbefleckte Empfängnis.....“


Ihr stockte der Atem aber sie rang sich zu einer Antwort durch: „Ja....aber ich habe keinen Engel gesehen, falls sie das meinen???“ „Nein...darauf will ich nicht hinaus.“ Mary nahm einen Stift in die rechte Hand und hämmerte auf den Tisch, ganz leicht aber nur. „Was wollen sie dann sagen oder worauf wollen sie hinaus?“. Sie bemerkte wie ihr ein kalter Schauer über den Rücken lief. Wollte der sich über sie lustig machen??
„Ich erkläre Ihnen jetzt etwas und ich hoffe, Sie können mir folgen Miss SancheZ.“ Dr. Milano rutschte seinen Stuhl zurecht, schaute hin und wieder auf das Buch, was er vor sich hatte und erzählte Mary etwas. „ Also, wie schon gesagt, Maria wurde damals schwanger, ohne je Sex gehabt oder sonstige sexuellen Aktivitäten ausgeübt zu haben. Sie war eine Jungfrau, so wie sie. Also unbefleckt. Es gibt nun 3 Möglichkeiten. Entweder sie lügen, demnach hatten Sie Geschlechtsverkehr und nur das Jungfernhäutchen ist nicht gerissen. 2Tens es kam irgendwie Sperma an ihren Unterleib, oder.......“


Mary schaute zuerst etwas irritiert, dann aber hob sie die Hand und machte eine Geste, die ihn zum Weiterreden animieren sollte. „Also.....“, begann er erneut. „Haben sie schon etwas von PARTHENOGENESE gehört?“ „...Nein...“ „Ok, ich versuche es Ihnen ganz deutlich und einfach zu erklären. Also Parthenogenese ist eine Form der eigengeschlechtlichen Fortpflanzung aus nicht befruchteten Eizellen. Das heißt es braucht kein männliches Sperma. Und somit auch keinen Sex. Der Eizelle wird durch bestimmte Hormone „vorgespielt“, dass sie befruchtet ist und fängt an sich zu teilen, somit entsteht ein neuer Organismus. Die Nachkommen sind dann Klone der Mutter. Das wurde festgestellt bei zb Schnecken oder Milbenarten. Bei weiter entwickelten Wirbeltieren, wie zum Beispiel dem Menschen wurde es nicht nicht „klar“ wissenschaftlich bestätigt...


„Sie wollen mir also...damit sagen“, stotterte Mary. Sie ließ den Stift fallen, „dass ich mich selber „befruchtet“ habe???“
„Viele meinen, dass es damals auch der heiligen Maria aus der Bibel so ergangen haben könnte, aber es ist noch nicht bewiesen. Normalerweise, sagt man, müssten dann ja rein theoretisch alle die so etwas, haben nur Mädchen auf die Welt bringen, aber Jesus war ja ein Junge. „Aber es wäre möglich?“
„Ja“, er nickte. Mary atmete schwer. Was sollte sie jetzt davon halten? Aber es wäre eine Erklärung, denn etwas anders konnte sie ausschließen... „Ich bin...total verwirrt....“, brachte sie leise hervor. „Ja, aber ich glaube Ihnen und ich habe schon einiges zu diesem Punkt gelesen und ich halte es für sehr möglich, dass das passieren kann. Also wenn es so ist, dann können sie ein Mädchen erwarten, dass ihnen SEHR ähnlich sieht und auch sonst wie eine Art Klon erscheint. Es gibt so weit keinen „richtig“ bestätigten Fall, aber es ist möglich, das ist sicher. Ich kenne es nur aus der Bibel, wenn es denn so war, und dann sie, sonst habe ich es noch nicht erlebt...oder gar gesehen. Ich bin froh, dass sie zu mir gekommen sind. Ich kenne so was nur von meinen Berichten und Artikeln hier... und es ist sehr, sehr, sehr, sehr selten...“


Der Arzt erzählte Mary nochmal alles in Ruhe und von vorne. Langsam begriff sie, dass es wirklich eine mögliche Art war....Wie gesagt, sonst käme nichts in Frage... Doktor Milano half ihr, es ihrem Freund zu sagen. Zuerst war er sehr skeptisch, aber der Doktor erklärte es ihm sehr überzeugend und zeigte ihm einige Berichte, die er sammelte.


Leider ist diese Geschichte nirgends richtig festgehalten, aber ich kann euch sagen, das Mädchen kam gesund zur Welt, dass weiß ich aus sicherer Quelle... Das junge Paar erzählte es auch sonst keiner Menschenseele, sonst hätte man sie für wahnsinnig gehalten...


Es gibt wissenschaftliche Berichte darüber zu finden, über Parthenogenese beim Menschen und ich habe darüber viel gelesen. Wie gesagt, es ist selten....beim Menschen unwahrscheinlich, aber es KANN passieren. Im Tierreich scheint es ja keine Seltenheit zu sein. Ich jedenfalls bin fasziniert, was die Natur im Stande ist zu leisten...

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